Du öffnest Social Media und wirst von unzähligen Eindrücken regelrecht überrollt:
- ein Traumurlaub hier, ein gehyptes Festival da
- TikTok Essensvideos
- Ratgebervideos mit dem Titel „mit diesen 3…“ wird dein Leben besser
Erwachsene werden schon immens von dieser Reizüberflutung beeinflusst, aber wie wirken sich diese Videos auf Jugendliche wie Dich aus?
Als Ernährungsmediziner und Kinderarzt beschäftigt mich hier seit einer Weile vor allem eine Frage: Was passiert eigentlich mit dem Essverhalten von Jugendlichen, die täglich stundenlang TikTok und Instagram konsumieren?
All diesen Fragen werde ich in diesem Beitrag auf den Grund gehen und Dir auch zeigen, was dagegen hilft.
- TikTok Essensvideos haben Auswirkungen auf die Ernährung von Jugendlichen
- Der Diätkultur auf Instagram nachzueifern kann für Jugendliche gefährlich werden
- Filter und oberflächliche Videos können das Körperbild auf Social Media für Teenager definieren
- Ernährungswissen schützt vor fragwürdigen und riskanten Trends
Warum formt Dich Social Media mehr als Erwachsene?
Das Scrollen durch Social Media verändert unser Essverhalten. Wir sehen perfekte Menschen, die uns an uns zweifeln lassen. Bin ich gut genug? Ist mein Körper gut genug? Ist mein Leben gut genug? Stimmt das, was mir hier als nächster neuer „Ernährungstrend“ empfohlen wird? Und stimmt der 3 Monate alte Trend noch oder ist das überholt?
Bei Jugendlichen ist dieser Prozess noch ausgeprägter. Gerade als junger Mensch ist man in seiner Selbstwahrnehmung noch so verletzlich und lässt sich verständlicherweise schneller beeinflussen. Als Teenager sieht man womöglich in Influencer*innen Ideale und Vorbilder und übersieht dabei, dass das meiste nicht echt und stattdessen bearbeitet ist. Die Diätkultur auf Instagram und anderen Plattformen kann Jugendliche an Trends wie Skinnytok teilnehmen lassen, die die Gesundheit gefährden können.
Wird das eigene Körperbild durch Social Media für Teenager verzerrt?
Jugendliche stecken im Entwicklungsprozess und können in ihrem Selbstbewusstsein noch sehr vulnerabel sein. Im Gegensatz zu Erwachsenen sind die Hintergründe von Influencer-Werbevideos deshalb für sie noch nicht nachvollziehbar. Welche Kooperation dahintersteckt, wie die vermeintlichen Vorbilder davon profitieren und wie die Bilder bearbeitet wurden.
Es ist natürlich, dass man als Teenager einfach unbedingt dazugehören möchte. Social Media Plattformen nutzen das für sich und liefern dafür die Bestätigung mit Likes und Kommentaren. Aber gerade diese Kommentare können auch der Türöffner für Cybermobbing sein.
Deshalb lassen sich Jugendliche oft von TikTok Essensvideos und gefährlichen Trends beeinflussen, um so auszusehen wie die „perfekten“ Menschen aus der Social Media Welt. Gerade bei jungen Mädchen steigt dadurch die Gefahr an Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating zu erkranken1. Es kann sich aber auch in die andere Richtung, z.B. zu Frustessen, entwickeln, um irgendwas zu tun und mit dem Druck, sich zu vergleichen, fertig zu werden.
Sind diese Entwicklungen für Jugendliche belegt?
Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass Social Media das Essverhalten junger Menschen negativ beeinflusst und sie dadurch ein ungesundes Körperbild entwickeln können2. Der Auslöser sind meist die oben genannten Faktoren.
Während Teenager für viele Fächer in der Schule lange lernen müssen, können sie sich hingegen besser an TikTok Essenvideos erinnern. Denn es wurde festgestellt, dass sie sich eher an ungesunde Getränke und Lebensmittel aus Werbungen erinnern als an gesunde3.
Auch der Wunsch nach Bestätigung und die Jagd nach Likes stehen laut einer australischen Studie in direkter Verbindung mit einem unzufriedenen Körperbild und einem restriktiven Essverhalten4.
Mit diesem Wissen ist es nicht verwunderlich. dass Australien das erste Land weltweit ist, das ein Social Media Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt hat.
Doch Kontrollen von esafety zeigen, dass Teenager bereits Wege und Mittel finden, um diese Restriktionen zu umgehen. Dazu finden momentan Ermittlungen gegen die Plattformen statt.
Wie kann man sich als Jugendliche*r im Social Media Dschungel schützen?
Damit Social Media Dein Essverhalten nicht unterschwellig beeinflusst bzw. keine Essstörungen begünstigt, kannst Du u.a. auf folgendes achten:
- Der offensichtlichste Anfang ist es natürlich den Social Media Konsum zu reduzieren, auch wenn es schwerfällt. Dafür gibt es z.B. Zeitlimits direkt in der jeweiligen Social Media App. Laut einer aktuellen Studie kann bereits eine Woche Social Media Verzicht Essstörungssymptome immens reduzieren.
- Außerdem kann es helfen, wenn Du Dich selbst informierst oder z.B. durch Deine Schule über die Medien genau aufgeklärt wirst und auch über die Schattenseiten der Plattformen Bescheid weißt. Dann kannst Du selbst hinterfragen, wofür die Diätkultur auf Instagram verwendet wird und wie Bilder perfekt bearbeitet werden.
- Als Ernährungsmediziner ist mir dieser Punkt besonders wichtig: In Studien zeigt sich, dass Personen, die mehr über Ernährung wissen, weniger anfällig für Social Media Trends sind. Wenn Du also mehr über gesunde Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe lernst, kann dieses Wissen wie ein Schutzschild gegen toxische TikTok Essensvideos eingesetzt werden.
- Ein Beispiel für diese wichtige Wissensvermittlung ist die Organisation FAQ YOU. Sie geben ihre gesundheitliche Fachkompetenz weiter und verbreiten sie gezielt auf Social Media Plattformen oder in der Popkulur, um junge Menschen zu erreichen. Schau hier gerne einmal vorbei, wenn du Lust hast mehr Infos dazu zu bekommen.
Expert*innen Tipp
Ich war letztens auf einer Veranstaltung von Nutrition Hub und habe dort gehört, wie wichtig es ist, sich nicht aus den aktuellen Trends bei Social Media zurückzuziehen, sondern stattdessen mitzuwirken. Das war die Bestätigung für eine Einstellung, die ich schon lange so fühle und lebe.
Deshalb bin ich Ernährungsmediziner geworden, um mein Wissen weiterzugeben und gesunde Ernährung nahbar und einfach zu vermitteln. Ich möchte bei den negativen Entwicklungen von Social Media auf das Essverhalten von Jugendlichen entgegenwirken. Mein Ansporn ist es, dass Du das oben genannte Schutzschild mit Ernährungswissen entwickelst und die Diätkultur auf Instagram für Dich selbst hinterfragen kannst. Außerdem unterstütze ich von Herzen das Projekt „InCharge“ von Nutrition Hub, die ein Siegel für fundiertes Ernährungswissen auf Social Media umsetzen wollen. https://www.in-charge.org/
Fazit
Es führt nichts an dem Fakt vorbei, dass Social Media unser Essverhalten beeinflusst. Ob es positive oder negative Auswirkungen auf uns hat, haben wir meist selbst in der Hand.
Jugendliche können hingegen ihren Social Media Konsum und die dazugehörigen Folgen oft noch nicht gut kontrollieren und die Aussagen einordnen und lassen sich dabei von der Diätkultur von Instagram leiten. Das Körperbild und der eigene Selbstwert können leiden. Im worst case kann ungünstiger Social Media Konsum Essstörungen fördern oder sogar mitursächlich dafür sein.
Schulen oder auch ich als Ernährungsmediziner können Dich jedoch dabei unterstützen, indem wir Dir Medien- und Ernährungswissen vermitteln und Dir damit helfen, Dich selbst zu schützen und zu distanzieren.
FAQ
Ja, durch geringeres Selbstwertgefühl sind Jugendliche oft empfänglicher für negative TikTok Essensvideos und Trends wie Skinnytok.
Häufig eifern sie einem unerreichbaren Ideal hinterher, das perfekte Menschen in einem perfekten Leben zeigt und hinterfragen die Echtheit noch nicht. In Folge dessen kann sich ein problematisches Essverhalten entwickeln.
Gehypte Trends wie Skinnytok, Clean Eating oder Mukbang-Challenges können das persönliche Körperbild durch Social Media, gerade für Teenager, immens prägen. Daraus können Krankheiten, wie Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating entstehen.
Die Videos, die sie jeden Tag sehen und konsumieren, bestimmen ihr Weltbild.
Deshalb verbieten schon erste Länder, wie Australien, Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren.
In dieser turbulenten Phase des Erwachsenwerdens ist es besonders
wichtig, sich über seinen eigenen Selbstwert bewusst zu werden, unabhängig von Social Media – hier kann Dir beispielsweise Sport helfen. Außerdem ist es laut Studien wirksam, wenn Du Dir selbst oder z.B. über Deine Schule sowohl Wissen über die Schattenseiten der Plattformen als auch die positiven Auswirkungen von gesunder Ernährung aneignest.
Bei diesen Social Media Profilen kannst Du auf gute Art und Weise vieles über gesunde Ernährung lernen: @Foodbert.de, @HeavenLynnHealthy, @restlosglücklich, @Dr.LuisaWerner
Quellen:
https://www.lih.lu/de/article/wie-soziale-medien-unser-essverhalten-beeinflussen/
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/social-media-und-stoerungen-des-essverhaltens
Broschüre Nutrition Hub
https://mpfs.de/app/uploads/2025/11/JIM-2025_Chartbericht_PDF.pdf
